Deutschlandfunk Kultur
Das Ruhner Land im Radio

Gerhard Richters hörenswerter Bericht zu unseren Bemühungen ums Ruhner Land

 


Gastbeitrag
Zur Zukunftsfähigkeit der Region "Ruhner Land"

Aus Anlasss der aktuellen Pläne zu einer Kreisgebietsreform:
Stellungnahme des Neulandgewinners 2015 Heinz Niemann zu unserem Projekt „Ruhner Land“ – eine Region erfindet sich selbst".

Siggelkow, Januar 2017

Gedanken zur Zukunftsfähigkeit der Region "Ruhner Land"

Es besteht weitgehende Übereinstimmung darüber, dass die Entleerung des ländlichen Raumes einschließlich des Verfalls und der Aufgabe ganzer Ortschaften allein mit den Mitteln und Methoden der staatlichen Daseinsvorsorge nicht aufgehalten werden kann.Nur solche Dörfer oder kleinräumigen Siedlungssysteme haben längerfristig noch eine Zukunftsperspektive, die es verstehen, in Übereinstimmung mit den angepassten Formen der staatlichen Daseinsvorsorge die Dorfgemeinschaften selbst als Gestalter ihrer räumlichen, wirtschaftlichen und sozialen Umwelt wirksam werden zu lassen.

Die meisten Fallbeispiele belegen, dass die Handlungsfähigkeit der Dorfgemeinschaften den Hauptfaktor für das Gelingen oder Scheitern von ansonsten aussichtsreichen Zukunftsprojekten darstellt. Ohne den Bürger werden alle Projekte scheitern.

Nach den Kriterien des Gemeinde – Leitbildgesetzes MV ist die dauernde finanzielle Leistungsfähigkeit – und damit deren Zukunftsfähigkeit – aller Gemeinde des Amtes Eldenburg Lübz sowie der Gemeinde Ziegendorf aus dem Amt Parchimer Umland im Erlöschen bzw. bereits erloschen. Vorgesehene oder weitere Fusionen von Gemeinden innerhalb des Amtes können so möglicherweise den Verwaltungsaufwand verringern (obwohl auch dafür noch keine schlüssigen Belege vorliegen) ganz sicher wird sich aber dadurch die Gesamtsituation nicht zum Positiven verändern.

Untersuchungen des IFO-Institutes (Filiale Dresden) und besonders Reportagen des MDR aus Sachsen, Thüringen und Sachsen Anhalt belegen, dass übergroße Einheitsgemeinden durch radikale Eingemeindungen in den nächstgelegenen zentralen Ort keine wirtschaftlichen Positiveffekte aufweisen, dafür aber mit verheerenden sozialen Einschränkungen und Verlusten im Umland zu kämpfen haben (z.B. jetzige Einheitsgemeinde Gardelegen). Selbst aus der immer wieder als Beispiel angeführten Steiermark wird von Beteiligten die Auffassung vertreten, dass der umfassende Identitätsverlust zuletzt auch verstärkt infolge von Zwangsfusionen zum Erstarken der Protestparteien sowie zum Erlöschen vieler sozialen Initiativen in dieser Region geführt hat.

Für die 5 mecklenburgischen Gemeinden Siggelkow, Tessenow, Suckow, Marnitz und Ziegendorf, die zusammen ca. 4000 Einwohner in 25 Dörfern mit über 30 Ortsteilen umfassen, kann somit eine einfache Angliederung an den nächst gelegenen Zentralen Ort (Parchim) kaum mit der Zukunftsvision verbunden werden, die die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mit dem BULE-Programm „Soziale Dorfentwicklung“ 2015 so formuliert hat:

„Zwar werden interkommunale Kooperation und der Blick auf die Entwicklung der Region immer wichtiger. Dennoch darf das einzelne Dorf als Wohnort, Arbeitsstätte und Lebensmittelpunkt nicht aus dem Augen verloren werden. Dörfer sollen als eigenständigeWohn-, Arbeits-, Sozial- und Kulturräume im dezentralen Siedlungsgefüge erhalten bleiben.“

Es besteht völlige Übereinstimmung, dass jede einzelne Gemeinde aus der Region „Ruhner Land“ für sich in diesem insgesamt strukturschwachen ländlichen Raum nicht in der Lage ist, allen genannten Aspekten in genügender Weise zu entsprechen. Räumliche und sektorale Arbeitsteilung können aber helfen, Schwerpunkte zu setzen und überregionale Ausstrahlung zu erreichen.Aufbauend auf eine ganze Reihe von Initiativen in einzelnen Gemeinden trafen sich deshalb am 13. Februar 2015 die Bürgermeister aus dem Umfeld der um die Ruhner Berge gelegenen Gemeinden und verständigten sich darauf, die weiteren Anstrengungen zur Stabilisierung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse durch interkommunale Zusammenarbeit und Profilierung effektiver und erfolgreicher zu gestalten. Als grundsätzliche Arbeitsrichtung wurde formuliert: „Es geht darum, den bestehenden Sozialraum im Bereich der Ruhner Berge als historisch gewachsene Kulturlandschaft, als chancenreichen und verflochtenen Wirtschaftsraum sowie als besonderes touristisches Entwicklungsgebiet zu begreifen und durch interkommunale Zusammenarbeit in den Bereichen von regionaler Daseinsvorsorge, Land- und Forstwirtschaft sowie Tourismus zu entwickeln“.

Inzwischen sind 2 Jahre vergangen. Eine Fülle von lokalen Aktivitäten und einzelnen regionalen Veranstaltungen haben schon jetzt den Begriff „Ruhner Land“ in Südwestmecklenburg aber auch in Schwerin, Hamburg und Berlin bekannter gemacht und sind landes- und bundesweit z.T. mit deutlichen Förderungen und Zuwendungen für Einzelvorhaben unterstützt worden.

Eine Förderung der gesamten regionalen Initiative passt allerdings bis jetzt in kein Raster der Landes- oder Branchenförderung und scheitert meist schon bei solchen Standardabfragen wie Eigenanteil, Vorfinanzierung, Wirtschaftlichkeitsberechnung, Personalkosten, befristete Projekt- oder längerfristige Prozessförderung, Kompetenzgrenzen der Einzelgemeinde u.s.w.Die Gefahr, uns in Einzelheiten zu verzetteln und regionale Vorhaben nicht durchsetzen zu können hat zugenommen und wir bleiben von den Handlungsempfehlungen für schrumpfende Kommunen in strukturschwachen ländlichen Räumen, die bereits 2012 in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung erarbeitet worden sind, unverändert weit entfernt. In dieser Studie heißt es: „Angesichts der Herausforderungen muss in vielen Bereichen über eine radikale Neupositionierung nachgedacht und … baldmöglichst ein Kurswechsel eingeleitet werden.

Die Kommunen brauchen Mut, neue Entwicklungsansätze zu entwerfen, diese in Experimenten ohne Blaupausen zu erproben und so neue Wege zu gehen…. Diese werden sie allerdings kaum isoliert und einzeln, sondern nur im regionalen und interkommunalen Verbund bewerkstelligen können“.

Weil Entwicklungen und Eingriffe in das ländliche Siedlungsnetz zwar vorrangig mit wirtschaftlichen und administrativen Überlegungen begründet werden, am Ende aber vor allen an den politischen und sozialen Veränderungen für die Einwohnerschaften gemessen und bewertet werden, haben wir den Mut, diese Problematik unserem Bundes- und Landesministerien vorzutragen und zu fragen, ob Sie bereit sind uns bei diesem Vorhaben unkonventionell innovativ zu unterstützen. Diese Hilfe darf nicht nur finanziell gesehen werden, auch Verordnungen und Gesetze sollten hinsichtlich Ihrer Tauglichkeit für das Landleben überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden.

Die Bürger werden es Ihnen Danken und das Land wird wieder eine Chance haben

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Heinz Niemann

Vorsitzender Verein Zukunft Gemeinde Siggelkow e.V

 

 

 

 

 

 


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